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  • Jessica Weser

Fridays for Future: Wir stehen hinter euch!

​Seit mehreren Monaten gehen Schüler*innen und Student*innen während der Unterrichtszeit auf die Straße, um für besseren Klimaschutz zu demonstrieren. Ihre Forderungen gehen direkt an Wirtschaft und Politik: Die Zeit zu handeln ist jetzt! Noch können entscheidende Maßnahmen eingeleitet werden, um das Schlimmste zu verhindern. Diese Maßnahmen wollen die Jugendlichen vor allem möglichst schnell umgesetzt sehen. Aus diesem Grund treten sie in den Schulstreik. Denn wieso sollten sie noch lernen, wenn es sowieso keine Zukunft für sie auf diesem Planeten gibt?


Vereitelter Kohleausstieg?


Die Schüler*innen kritisieren die Trägheit der Politik. Ein zentrales Thema ist der Kohleausstieg, der von der Bundesregierung auf das Jahr 2038 festgelegt wurde (1). Das sei ein viel zu langer Zeitraum, finden die Jugendlichen, und fordern einen Ausstieg aus der Kohle bis spätestens 2030 (2). Ein viel diskutiertes Thema in diesem Zusammenhang ist der Verlust von Arbeitsplätzen in der Kohleindustrie. Was sollen die dort beschäftigten Menschen denn dann machen?


Dass die Forderung eines raschen Kohleausstiegs aber gar keine so unrealistische Forderung ist, zeigt die letzte Folge der ZDF-Satireshow „Die Anstalt“ (>> hier in der Mediathek). Viele der Kohlekraftwerke in Deutschland wären bis 2030 ohnehin aus Altersgründen abgeschaltet worden, sodass fast keine Unterschiede im Rückgang der Treibhausgasemissionen im Jahr 2030 erkennbar wären - ob nun mit oder ohne Kohleausstieg. Mit dem Kohleausstieg jedoch erhalten die Betreiber*innen von Kohlekraftwerken jetzt eine Entschädigung für das Abschalten ihrer Kraftwerke. Und weil „Entschädigung“ so verlockend klingt und wir in einer profitorientierten Welt leben, führt die ganze Sache dazu, dass einige Kraftwerkbetreiber*innen die Laufzeiten ihrer Kraftwerke jetzt sogar verlängern, um noch schön abkassieren zu können. Hinzu kommt – und jetzt zurück zu den Arbeitsplätzen – dass 12000 der 18000 aktuell Beschäftigten in der Kohleindustrie in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen (3). Der Großteil der Arbeitsplätze müsste also gar nicht gesichert werden. An Sinnfreiheit ist das nicht zu übertreffen - und es ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden jungen Menschen, der freitags auf die Straße geht, um für eine Zukunft zu kämpfen, in der er und kommende Generationen leben können. Denn hier wird eine Industrie hochgehalten, die sich im Grunde schon auf dem absteigenden Ast befindet (nicht zuletzt auch deshalb, weil Kohle als endliche Ressource nicht mehr ewig vorhanden sein wird). Die Schüler und Schülerinnen haben erkannt, dass der Kampf für einen besseren Klimaschutz also auch ein Kampf gegen den Kapitalismus sein muss, der ausschließlich auf steigende Profite und Wirtschaftswachstum aus ist und alle ökologischen und sozialen Folgen unberücksichtigt lässt. #systemchangenotclimatechange


Folgen der Klimaänderung wiegen mehr als Schulpflicht


Statt endlich zu handeln und die Schüler*innen ernst zu nehmen, entwickeln sich große Debatten darüber, ob und wie das Schulschwänzen geahndet werden soll. Politiker*innen beziehen sich hier immer wieder auf die in Deutschland geltende Schulpflicht. Ist es aber nicht auch die Pflicht der Politik, im Interesse und zum Wohl der Bürger und Bürgerinnen zu handeln? Es passiert das Gegenteil: Alle Bemühungen, die unternommen werden, dienen einzig und allein dem Interesse wirtschaftlicher Akteur*innen. Diese profitieren auch nur kurzfristig davon. Denn auf lange Sicht werden wir alle die Folgen einer unaufhaltbaren Klimakatastrophe zu spüren bekommen – Politiker*innen, Kohlekraftbetreiber*innen und deren Kinder nicht ausgenommen. Nicht zu vergessen, dass in anderen Teilen der Welt, v.a. im globalen Süden, die ersten Folgen der Klimaveränderung bereits bedrohliche Realität sind.


Halten wir die im Pariser Klimaabkommen gesetzten Ziele wie die Beschränkung der Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C (besser: nahe 1,5 °C) nicht ein, werden sogenannte Kipp-Punkte erreicht, die auf dem gesamten Erdball Prozesse in Gang setzen, die ganze Systeme irreversibel verändern. Dazu gehören z.B. die Austrocknung und der Kollaps des Amazonas-Regenwalds, das Auftauen des Permafrostbodens und die Versauerung der Ozeane. All diese Prozesse heizen die Erde weiter auf: Der Boden des Regenwalds und der Regenwald selbst sind dann nicht mehr in der Lage CO2 aus der Atmosphäre zu binden. Auftauende Permafrostböden setzen schädliche Klimagase frei. Und mit zunehmender Versauerung der Ozeane sinkt die Kapazität derselbigen, CO2 aufzunehmen (4). An dieser Stelle könnten noch unzählige weitere dramatische Folgen genannt werden.


Diese Prozesse, sind sie einmal in Gang gesetzt, sind nicht mehr umkehrbar und das Leben auf der Erde so wie wir es kennen nicht mehr möglich. Der Mensch rottet sich selbst aus und nimmt alles andere Leben mit.


Es ist dieses Szenario, das die Jugendlichen verhindern wollen. Deshalb bleiben sie freitags dem Unterricht fern und gehen stattdessen auf die Straße. Sie fordern nicht mehr als das, was die Politik eigentlich schon längst hätte umsetzen müssen: Einen Planeten zu bewahren, der für sie, uns und alle zukünftigen Generationen Lebensgrundlage ist. Nicht zuletzt ist der Umgang mit der Klimakrise auch eine Frage der Gerechtigkeit.


Unser Support für Fridays for Future


Die Schüler*innen und Student*innen von Fridays for Future haben unsere vollste Unterstützung in all ihren Anliegen und Forderungen. Am heutigen Freitag waren wieder viele tausend junge Menschen auf der Straße. Rund 1000 auch in Augsburg (5). Wir waren natürlich dabei. #offenekaefigeforfuture





Quellen:

1 https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/der-einstieg-in-den-kohleausstieg-1574264

2 https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/fridays-for-future-schueler-fordern-kohleausstieg-bis-2030-16006356.html

3 https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt/die-anstalt-vom-9-april-2019-100.html

4 https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/3283.pdf

5 https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Rund-1000-Schueler-protestieren-fuer-mehr-Klimaschutz-id54042256.html

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